Gelingt die geforderte Vereinigung unserer fünf Pfarrgemeinden in 2017?

Gelingt die geforderte Vereinigung unserer fünf Pfarrgemeinden in 2017?

Gepostet von am Jan 4, 2017 in Allgemein | 3 Kommentare

Und dann geht es weiter...

Und dann geht es weiter…

Die Aufhebung und Vereinigung von Pfarreien im Bistum Aachen hat auch unsere fünf Niederzierer Pfarrgemeinden erreicht. Im neuen Jahr stehen wir damit vor grundlegenden Änderungen unserer bisherigen Eigenständigkeiten.

Seit Jahren ist das kirchliche Leben nicht nur im Bistum Aachen von Umbruch und Neuordnung der Strukturen gekennzeichnet. Für die Pfarrgemeinden in Merzenich und Niederzier wurde am 26.10.2009 durch die Bildung einer gemeinsamen Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) eine erste Veränderung von großer Tragweite vorgenommen.

Mit der Rätesatzung aus dem Jahre 2013 ist für die Kirche vor Ort eine weitere Grundlage für eine zukunftsorientierte synodale Struktur geschaffen worden. Verschiedene Leitungsmodelle für verschiedenartige Anforderungen sind im Bistum Aachen bereits veröffentlicht worden. Ihre flächendeckende Ausbreitung wird angestrebt. Angesichts kontinuierlich sinkender Priesterzahlen werden z. B. Laien künftig mit ihrem Charisma und ihren Fähigkeiten in Leitungsfunktionen stärker tätig werden müssen. Und die finanzielle Grundlage des Bistums zwingt zum Sparen, da alle Zuschussmittel an die Pfarreien um 1/3 gekürzt werden müssen.

Das seinerzeit von Erzbischof Zollitsch initiierte und von Alt-Bischof Mussinghoff aufgegriffene Anliegen, einen offenen Dialog in der Kirche führen zu wollen, ist mit der Aufforderung verbunden, auch im Bistum Aachen auf allen Ebenen und mit allen Gliedern der Kirche über zentrale und für die Menschen wichtige Themen in einen offenen Dialog zu treten.

Nach einem langen Diskussionsverfahren in allen Pfarreiräten und Kirchenvorständen, wurde schließlich die Fusion der Merzenicher Pfarreien zum 01.01.2016 durch Alt-Bischof Heinrich Mussinghoff angeordnet. Ursprünglich hatte der Leiter der GdG, der Merzenicher Pfarrer Hans-Dieter Hamachers, eine Vereinigung aller Merzenicher und Niederzierer Pfarreien zu einem „Zwei-Säulen-Modell“ gefordert. Dagegen hatten die Niederzierer Pfarreien Einwände erhoben und darauf hingewiesen, dass man noch nicht auf eine vergleichbar lange Zusammenarbeit wie in den Merzenicher Pfarreien zurückblicken könne und von daher die Zeit für eine Zusammenarbeit als vereinigte Pfarreien noch nicht gegeben sei.

Alt-Bischof Heinrich Mussinghoff hatte sich schließlich den Argumenten unserer Niederzierer Pfarreien angeschlossen und eine Aufhebung mittels Fusion nicht angeordnet. Gleichwohl hatte er aber unsere Niederzierer Pfarreien aufgefordert, die kooperative Pastoral in unserer GdG inhaltlich weiter zu entwickeln, um zu einem späteren Zeitpunkt die notwendigen strukturellen Veränderungen auch für unsere Niederzierer Pfarreien vorzunehmen.

Ein weitere, vorbereitende Hürde wurde schließlich mit der Entscheidung im Rahmen des KIM-Projekts (Kirchliches Immobilien-Management) Anfang Oktober 2016 herbeigeführt. Auch hier hatten die Merzenicher Pfarreien lange den Entscheidungsprozess vehement begleitet. Schließlich einigte man sich im Arbeits- und Entscheidungskreis darauf, – obwohl Merzenich nur eine Kirchengemeinde mit den vier Gemeindebereichen bildet – das Stimmrecht für die vier alten Merzenicher Kirchengemeinden anzuerkennen.

Bereits im Verlauf des Jahres 2016 haben sich die Vertreter der fünf Niederzierer Kirchenvorstände und Pfarreiräte beraten und einen Fahrplan für die nun anstehende Vereinigung unserer Pfarreien auf den Weg gebracht. Dabei sind nun alle Gremien aufgefordert, sich in den kommenden Monaten damit zu befassen.

Für alle, denen das Verfahren noch nicht bekannt ist, hier die wichtigsten Punkte, über die Entscheidungen herbeigeführt werden müssen:

  1. Es wird eine Entscheidung notwendig sein, ob alle Pfarreien aufgehoben und eine neue Gesamtpfarre gegründet wird (das Aufhebungsmodell) oder ob eine Pfarre bestehen bleibt und die anderen vier Pfarreien eingegliedert werden (das Einpfarrungsmodell).
  2. Falls eine neue Gesamtpfarre entsteht, muss hierfür ein neuer Name benannt werden.
  3. Es muss eine Entscheidung getroffen werden, welche unserer fünf Kirchen zukünftig die Gesamtpfarrkirche sein wird. Dies ist bei beiden Modellen notwendig.

In unserem Pfarreirat haben wir uns in den Sitzungen am 31.08.2016 und 02.11.2016 bereits recht intensiv beraten. Eine Einigkeit zum Aufhebungs- oder Einpfarrungsmodell, zum Namen einer evtl. neuen Gesamtpfarre und zur Festlegung der Gesamtpfarrkirche wurde dabei bislang noch nicht gefunden. In den Diskussionsrunden beschäftigte sich der Pfarreirat zunächst einmal mit den Vor- und Nachteilen der anstehenden Modelle und den Stärken und Schwächen der bestehenden Standorte.

Zum einen führen die Befürworter des Aufhebungsmodells u. a. das Symbol eines Neuanfangs an, die Befürworter des Einpfarrungsmodells verweisen auf die Notwendigkeit verbleibender Tradition und die Sorge, dass man sich in wenigen Jahren dem Vorwurf stellen müsse, diese über Jahrhunderte bestehende Tradition aufgegeben zu haben. Zudem gebe es beim Aufhebungsmodell nur Verlierer, denn die Identität zwischen der Pfarrkirchen und die Namen der Pfarreien ginge verloren. Zudem führt das Aufhebungsmodell natürlich strukturell, organisatorisch und vor allem vermögensrechtlich zu einer Zusammenführung dieser, bisher eigenständig bestehenden Felder.

Zur Zeit zeichnet es sich ab, dass lediglich die Entscheidung für eine Gesamtpfarrkirche zwischen St. Cäcilia Niederzier und St. Martin Oberzier wohl fallen dürfte. Nach den vorliegenden Informationen aus den verschiedenen Pfarreiräten und Kirchenvorständen gibt es aber hierfür noch keine einheitliche Linie.

Lediglich der Pfarreirat St. Josef Huchem-Stammeln hat schon Beschlüsse gefasst, die allerdings eindeutig auf fehlerhaften Grundlagen basieren. Dem veröffentlichten Protokoll ist nämlich zu entnehmen, dass beim Treffen der Vertreter der Pfarreiräte und Kirchenvorstände schon das Aufhebungsmodell, eine Gesamtpfarrkirche St. Martin und sogar ein neuer Pfarrname (Hl. Barbara bzw. Dreifaltigkeit) favorisiert wurde. Dies entspricht aber keinesfalls den Inhalten oder gar Beschlüssen in der seinerzeitigen Zusammenkunft.

Seit wenigen Tagen ist bekannt, dass der Merzenicher Pfarrer Hans-Dieter Hamachers bereits zur Mitte des Jahres 2017 die Leitung seiner Pfarreien und die Leitung der GdG abgeben wird und in den Ruhestand tritt. Die damit verbundenen Auswirkungen kommen für unseren Pfarrer Andreas Galbierz früher als ursprünglich vorgesehen. Wenn er damit neben der Leitung unserer fünf Niederzierer Pfarreien nun auch die Merzenicher Pfarreien und die Leitung der GdG Merzenich/Niederzier übernehmen muss, ist das ein enormer Zuwachs an Verantwortung und vor allem mit ganz erheblicher Mehrarbeit verbunden.

Den Pfarreiräten und Kirchenvorständen stehen also in den kommenden Monaten noch so manche turbulenten Zusammenkünfte bevor. Es wäre wünschenswert, wenn dabei die Auseinandersetzung in den Gremien sachlich und nicht emotional erfolgt. Denn nach den Richtlinien des Bistums, muss bei divergierenden Beschlüssen der beteiligten Pfarreien ein Vermittlungsverfahren und die Anhörung des Diözesanpriesterrates durchgeführt werden, bevor durch den Bischof eine Entscheidung über eine Aufhebung oder Umpfarrung getroffen wird.

(Foto: Peter Weidemann in pfarrbriefservice.de)

3 Kommentare

  1. Michael Müller says:

    Lieber Matthias,

    anscheinend hast Du das Protokoll (http://st-josef-huchem-stammeln.de/files/Protokoll-PR-160913.pdf) nicht richtig gelesen oder nicht richtig verstanden. Darin steht, dass sich bei der Vorbesprechung jeweils zweier Vertreter der Pfarreiräte (nicht der Kirchenvorstände) die Anwesenden einig waren, dass für unsere Pfarren nur das Aufhebungsmodell in Frage kommt. Das war nach meiner Erinnerung auch so. Es war aber nur ein erstes Meinungsbild der Anwesenden und kein Beschluss und definitiv nicht die Grundlage für unseren Beschluss, der auf der im Protokoll erwähnten Diskussion beruht. Und zu diesem Beschluss stehen wir auch und werden dafür argumentieren. Zur Pfarrkirche steht im Protokoll nichts aus der Vorbesprechung. Wir haben zwar anhand der bei uns diskutierten Kriterien Oberzier identifiziert, aber ausdrücklich keinen Beschluss gefasst, da wir erst die Kriterien und Vorschläge der anderen Pfarreiräte kennen möchten. Beim Pfarrpatron wurde beim Vortreffen die hl. Barbara als Vorschlag genannt (so steht es im Protokoll), nicht wie Du schreibst favorisiert. Und das entspricht den Tatsachen. Bei uns wurde während der Diskussion ein weiterer Vorschlag, nämlich „Dreifaltigkeit“, genannt und deswegen protokolliert. Hier gab es breite Zustimmung aber keinen Beschluss. Bei den Punkten Kirche und Patron wollen wir ausdrücklich die Vorschläge der anderen Pfarren abwarten, und das steht auch so im Protokoll.
    Ich möchte nicht, dass hier unnötig Missverständnisse auftreten, da bestimmt nicht jeder in unserem Protokoll nachliest. Wir wollen die Sache konstruktiv angehen und mit allen die besten Lösungen finden. Ich hoffe, dass diese Erläuterungen zur Versachlichung beitragen und freue mich auf viele spannende Gespräche. Ich hoffe aber auch, dass der Einigungsprozess nicht zu lange dauert. Bei KIM haben wir das ja auch ganz gut und vor allem ohne Streit hinbekommen.

    Viele Grüße

    Michael

    • Biergans says:

      Lieber Michael,
      dass es auf meinen Artikel Reaktionen geben würde, war natürlich gewollt. Ich bin als Mitglied unseres Niederzierer Pfarreirates für Transparenz. Eine Transparenz, die es vielleicht in den vergangenen Jahren für die Pfarrmitglieder so nicht gegeben hat. Und diese Transparenz ist nun bei den zu treffenden, zutiefst grundlegenden Veränderungen in unseren fünf Pfarreien unumgänglich. Ich weiß, du bist ebenfalls ein Verfechter der Transparenz. Aber dann musst du, wenn du ein Protokoll auf eurer Webseite veröffentlichst, auch davon ausgehen, dass es gelesen wird – nicht nur von Huchem-Stammelner Pfarrmitglieder oder weiteren Interessierten.
      Wenn ich in eurem Protokoll lese, „dass sich bei der Vorbesprechung bereits alle einig waren, dass für unsere Pfarren nur das zweite Modell (also das Aufhebungsmodell) in Frage kommt“, und dies als Diskussionsgrundlage in eurer besagten Pfarreiratssitzung gedient hat, dann sind die Ansätze einer objektiven Behandlung schon nicht mehr gegeben. Auch wenn du nun schreibst, „dass dies nach deiner Erinnerung auch so war“. Jedenfalls haben einige Teilnehmer dieser Vorbesprechung genau das Gegenteil berichtet.
      Und wenn ich lese, „dass nach kurzer Diskussion euer Pfarreirat auch einstimmig dafür stimmt, dass im Falle einer Fusion alle Pfarren aufgelöst werden und eine neue Pfarre gegründet wird“, dann ist das nicht nur vage, sondern schlichtweg ein knallharter Beschluss. Denn das ganze Verfahren ist eine Fusion, ob als Aufhebungs- oder als Einpfarrungsmodell. Es ist schon eine klare Festlegung zum Aufhebungsmodell.
      Und wenn ich weiterlese, „das der Vertreter eures Kirchenvorstandes, Manfred Mehren, befürchtet, dass Außenstehende, z.B. Lokalpolitiker, versuchen könnten, auf die Entscheidung Einfluss zu nehmen“, hat man schon das Gefühl, nichts Anderes zuzulassen.
      Das Gefühl dieser schon vorherrschenden Entscheidung findet sich auch in der Protokollpassage wieder „der Pfarreirat spricht sich einstimmig dafür aus, dass ein neutraler (Pfarrei-) Name gefunden wird. Ein Patronatsfest im Sommerhalbjahr wäre für ein Pfarrfest von Vorteil“. Bei allem Verständnis, aber in diesem Zusammenhang bei der Suche nach einem neuen Patron jemanden zu nehmen, der wegen eines Pfarrfestes seinen Gedenktag im Sommer hat – da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
      Also, meine herzliche Bitte, stellt einfach eure Linie jetzt nicht anders dar, denn sonst tritt möglicherweise genau das ein, was du befürchtest: dass der Einigungsprozess zu lange dauern könnte.

  2. Michael Müller says:

    Lieber Matthias,

    ich verstehe Dein Problem jetzt nicht ganz. In Deiner Darstellung zu unserem Protokoll waren schlichtweg Fehler. Das habe ich richtiggestellt. Und in meinem Kommentar steht nichts anderes als im Protokoll. Das kann und soll jede(r) (natürlich nicht nur aus St. Josef, sonst hätten wir Zugangsbeschränkungen eingerichtet) sehr gerne nachlesen, denn dafür veröffentlichen wir die Protokolle zügig im Internet, sich eine Meinung dazu bilden und, wenn er/sie meint, auch gerne den Kopf schütteln. Es kann auch jeder gerne erzählen, was er meint, was auf der Vorbesprechung alles gesagt wurde. Nicolas Küfner und ich haben das bei unserer Sitzung getan. Da es kein Protokoll zu der Vorbesprechung gibt, wird man es schwer überprüfen können. Ich wüsste aber nicht, warum sich Nicolas, Pfr. van Tung und ich übereinstimmend irren sollten. Und ob man das dann in seine Meinungsbildung einfließen lässt oder nicht, muss auch jeder selbst entscheiden. In den Pfarreiräten sitzen ja (hoffentlich) eigenständig denkende Menschen. Bei uns ist das zumindest so. Und wir sind bestimmt nicht dafür bekannt, dass wir die Meinung anderer unreflektiert oder gar obrigkeitshörig übernehmen. Ich stehe auf jeden Fall zu den Entscheidungen unseres Pfarreirates und werde mich dafür mit allen demokratischen Mitteln einsetzen. Ich kann also nur nochmal alle dazu auffordern, unser Protokoll zu lesen, dann weiß jeder, was er bei den anstehenden Besprechungen von mir zu erwarten hat. Ob ihr/ihm das dann gefällt, das ist Privatvergnügen.
    Übrigens, dient diese Diskussion jetzt in erster Linie der Erhöhung der Klicks für diese Seite? 🙂

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