Religiöses Buch des Monats

Religiöses Buch des Monats März

Zu Hause kannst du Gott begegnen
Gerhard Dane
Topos plus (2018)

94 S.
Medien Nr.: 886331
ISBN 978-3-8367-1107-4
ca. 9,95 € Preis ohne Gewähr

 

 

Wo lässt Gott sich finden? In der Kirche, zumal beim Gottesdienst – das würden wohl die meisten sagen. In der Erhabenheit auf einem Berggipfel oder in der Stille des Waldes – auch da würden sicher viele zustimmen. Aber bei mir zu Hause? Ja, auch „zu Hause kannst du Gott begegnen“, sagt Gerhard Dane, der jahrzehntelang im Erzbistum Köln als Pfarrer wirkte und auch jetzt im Ruhestand noch in der Seelsorge mithilft. Gott sei Dank kann man Gott überall begegnen, eben auch zu Hause, denn viele Menschen gehen heute nicht mehr oder kaum noch in die Kirche, und auch Naturerlebnisse sind für den modernen Stadtmenschen in der Regel eher seltene Ausnahmen geworden.

Darum lädt der Autor seine Leser/innen ein zu einem Rundgang durch das eigene Haus, um einmal genau hinzuschauen, wo man auch da Gott finden kann. Im Gegensatz zur Natur, hinter der immerhin manche einen Schöpfer vermuten, haben wir im Haus zwar zunächst den Eindruck, dass das alles doch von uns Menschen selbst gemacht worden ist – und wo sollte in einer ganz von uns selbst hergestellten Welt noch Platz für Gott, für etwas Wunderbares oder Geheimnisvolles sein? Aber wir Christen glauben ja, dass Gott selbst Mensch geworden ist – und der Zimmermann Jesus von Nazaret verwendet nicht von ungefähr in seinen Gleichnissen auch immer wieder Bilder, die auf den Hausbau Bezug nehmen. Also muss es bei näherem Hinschauen doch auch im eigenen Haus Spuren geben, die auf Gott hindeuten, der mit uns Menschen in Beziehung treten will. – In 20 kurzen Kapiteln führt der Autor seine Leser/innen durch ein Haus, vom Keller bis zum Dachboden, dabei erzählt er Geschichten, die er selbst erlebt hat, schildert die Gedanken, die ihm bei manchen Gegenständen durch den Kopf gehen, weist hin auf Erfahrungen, die dem Menschen gewisse Einsichten vermitteln können. Und tatsächlich lässt sich in jedem Haus vieles finden, was als ganz einfaches, plastisches und einprägsames Bild etwas über die Beziehung zwischen Gott und den Menschen aussagen kann – wie etwa die Satellitenschüssel, die zeigt, dass man zunächst einmal „auf Empfang gehen“ muss, um die Signale Gottes, die überall da sind, auch wahrzunehmen. Jede Türe kann uns daran erinnern, dass Christus auch an unsere Türe klopft, und eingelassen werden möchte, aber auch daran, dass er selbst die Türe zu einem Leben nach dem Tode für uns sein will. Selbst noch der Abfalleimer kann uns etwas ganz Wichtiges veranschaulichen: Wie sehr wir immer wieder eine Müllentsorgung auch unserer Seele benötigen, um danach wieder ent-sorgt neu anfangen zu können – wobei die „Müllverbrennung“ des Seelenmülls in der Beichte nicht nur Müll vernichtet, sondern zugleich auch noch neue Energie für unser Leben erzeugt. – Eingeschobene kurze Bibelzitate veranschaulichen immer wieder, dass und wie das Gesagte tatsächlich mit Gott zu tun hat, und zeigen, dass sich in der Bibel oft sehr konkrete und absolut alltagstaugliche Beispiele und Ratschläge finden lassen.

Am Schluss vieler Kapitel steht dann ein vom vorher Gesagten inspiriertes kurzes Gebet, das zugleich als Beispiel dienen kann, wie man selber im Alltag mit ganz einfachen, lebensnahen Worten beten kann. Insgesamt vermittelt das Buch auf wirklich nachvollziehbare Weise eine Haltung des Staunens, der Demut und der Dankbarkeit – und einer größeren Achtsamkeit auf die scheinbar unwichtigen Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens. Es ist ein Buch, das gerade in seiner Einfachheit und Bescheidenheit überzeugt und auch beeindruckt – und sicherlich bei ganz vielen Leserinnen und Lesern etwas zu bewirken vermag.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)