Religiöses Buch des Monats

 

September

Gott spricht durch sein Handeln

Carlo Maria Martini
Patmos-Verl. (2018)

160 S.
fest geb.
MedienNr.: 595170
ISBN 978-3-8436-1026-1
ca. 19,00 € Preis ohne Gewähr

 

 

Haben wir nicht alle irgendwie den Traum von einem besseren Leben? Oder ist das unreif und sentimental – müssen wir uns nicht vielmehr mit diesem Leben so, wie es nun einmal ist, abfinden und anfreunden? Carlo Maria Martini untersucht die Tätigkeitswörter, durch welche Gott in der Bibel charakterisiert wird, und stellt fest: Gott selbst hat den Traum von einer anderen Welt, dem „Reich Gottes“, dafür stehen die Handlungen Gottes und die Wunder Jesu, so dass auch wir „von einem anderen Leben träumen dürfen“. Kardinal Martini, der 2012 starb, hatte nach seiner Zeit als Erzbischof von Mailand lange in Jerusalem gelebt, hier hielt er im Jahr 2007 auch diese Exerzitien über die „Verben Gottes“, die nun erstmals veröffentlicht werden. Alles beginnt natürlich mit dem Verb: Gott erschafft. Er erschafft aber nicht nur, indem er aus dem Nichts die Welt ins Dasein ruft, sondern indem er auch fortdauernd in der Welt handelt, um aus dem Chaos Ordnung, Gerechtigkeit, Frieden und Harmonie zu schaffen. Ganz wichtig ist Carlo Maria Martini das zweite biblische Tätigkeitswort Gottes: Gott verheißt. Von Abraham an spricht die Bibel ununterbrochen von der Verheißung Gottes. Gott nimmt so an der Geschichte des Menschen Anteil, und er erneuert seine Verheißung immer wieder, gerade auch in scheinbar ausweglosen Situationen. Aber warum erfüllt sich diese Verheißung niemals hier und jetzt, sondern erst nach unserem Tod? Kardinal Martini ist im Lauf seines Lebens zur Einsicht gekommen: Wenn es den Tod nicht gäbe, wären wir niemals gezwungen, uns ganz und gar auf Gott zu verlassen, wir würden nie das Wagnis eingehen, uns ihm ganz anzuvertrauen – nur darin aber können wir Erfüllung finden. „Alle Verben, die das Gotteshandeln bezeichnen, lassen uns das Antlitz eines Gottes erkennen, der nicht außerhalb der Welt und fern von ihr ist, sondern ganz konkret Anteil an ihr nimmt.“ (137) In der jüdischen wie christlichen Spiritualität geht es deshalb immer um eine liebevolle und aufrichtige Antwort auf diese Aufmerksamkeit, die Gott uns schenkt. Das vermittelt Carlo Maria Martinis postumes Buch auf eindrucksvolle Weise.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)