Religiöses Buch des Monats

 

Juli

 

Freiheit

Reinhard Marx

Kösel

175 Seiten

fest geb.

MedienNr.: 943554

ISBN 978-3-466-37261-4

18,00 € Preis ohne Gewähr

 

Die Welt nach der Corona-Krise wird eine andere sein, war in den letzten Wochen häufiger zu lesen. Aber wie sollte sie aussehen? Nur Mundschutz zu tragen und mindestens 1,50 m Abstand zu anderen Menschen zu halten, was jetzt als „neue Normalität“ ausgegeben wird, reicht dazu ja wohl nicht. Aber wie soll sie dann aussehen? Und was haben die Christen dazu beizutragen? – Der Jesuit Jörg Alt präsentiert in seinem Buch die Vision einer sozial gerechteren und ökologisch nachhaltiger gestalteten Zukunft auf Grundlage der katholischen Soziallehre. Er nimmt dabei eine europäische Perspektive ein und lässt die Staaten der EU angesichts der globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Finanz- und Offshore-Kapitalismus und Gefährdung der Demokratie (die Corona-Pandemie war bei Abschluss des Manuskripts noch nicht abzusehen) enger zusammenrücken. Sie verabschieden ein Bündel von Maßnahmen, das „das Wohl der vielen über die Profite der wenigen“ stellt und den „Produktions- und Konsumstil sozial gerecht und ökologisch nachhaltig“ umbaut. Seine Vision stützt Alt auf eine Analyse der Gegenwart im klassischen Dreischritt Sehen – Urteilen – Handeln. Als Ursache für die „richtig großen Probleme der Gegenwart“ macht er im Kapitel „Sehen“ die neoliberale Spielart des Kapitalismus aus, die zu einer Krise der Demokratie geführt habe. Verstärkt werde das durch den Lebensstil und das Konsumverhalten eines jeden Einzelnen. – Im Kapitel „Urteilen“ bewertet er diese Befunde mit den Maßstäben, die die Bibel und die Katholische Soziallehre zur Verfügung stellen. Im Kapitel „Handeln“ setzt er bei den Einzelnen an, auf deren Handeln es ankomme. – Unterstützung könnten diese Einzelnen z. B. bei der Katholischen Kirche finden, wenn, ja wenn sie aufhören würde, sich vor allem mit sich selbst zu beschäftigen. Die weltweit ca. 1,3 Milliarden Katholiken (und 2,2 Milliarden Christen) setzen sich bereits (vereinzelt) für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens ein oder für ökologische und gerechte Produktions- und Handelspraktiken. Diese „Anwaltschaft müsste freilich viel offensiver, häufiger, koordinierter und auch parteiischer geschehen. Ausgewogenheit ist nicht die Aufgabe des prophetischen Protests, ebenso ist Parteinahme eine Verpflichtung aufgrund der vorrangigen Option für die Armen“, so Jörg Alt. Außerdem haben Kirchengemeinden und kirchliche Gruppierungen die Möglichkeit, im Kleinen auf die Ursachen für die Krise zu reagieren und sich dabei auch mit anderen Gruppierungen zusammenzuschließen. – Jörg Alt legt damit ein engagiertes, klar strukturiertes und allgemein verständlich gehaltenes Plädoyer vor, nach christlichen Maßstäben an einer menschenfreundlicheren Zukunft zu arbeiten und auch dann nicht aufzugeben, wenn (mal wieder) die „Mächte des Bösen gewinnen und dem Guten Schaden zufügen“. Ein Buch, dem man viele, viele Leser/-innen wünscht, die dann auch handeln.

 

 

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)