Religiöses Buch des Monats

 

April

 

Christian Nürnberger

Das Christentum

GABRIEL VERLAG, 2019
Gebunden , mit Schutzumschlag 336 S.

ArtikelNr.: 90-354391
ISBN/EAN: 9783522305143
15,00 €
inkl. MwSt.

Das Christentum und der Mensch als Saboteur
Kann man das machen? Ein Buch empfehlen, dass das Christentum mit sehr deutlichen Worten in den Senkel stellt? „Die Geschichte des Christentums ist eine große Geschichte des Scheiterns, des Verrats und des Herumtrampelns auf der eigenen Botschaft. Es ist eine Geschichte der ewigen Vermischung menschlicher Interessen mit denen Gottes, und es ist eine Geschichte der Instrumentalisierung des Glaubens für Macht, Herrschaft und Besitz.“ Ja, man kann so eine Empfehlung aussprechen. Vielleicht muss man das sogar, um zu verstehen, wie das Christentum wurde, was es heute ist – und wie es in Zukunft damit weitergehen könnte.

Das Wesentliche und die Notwendigkeit des Christentums
Außerdem lässt Christian Nürnberger – Journalist, Theologe und Autor („Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten“, ebenfalls bei Gabriel erschienen) – keinen Zweifel daran, dass es auch die andere Seite des Christentums gibt – und dass es der Welt nicht gut bekommen würde, wenn es Kirche und Christentum eines Tages nicht mehr gäbe. Deshalb hat Nürnberger aufgeschrieben, was er für das Wesentliche des Christentums hält. Er fängt bei Abraham an und schildert die Glaubensgeschichte von Juden und Christen als Geschichte des Versuchs Gottes, den Hang des Menschen zu Egoismus, Clandenken, Gewalt und Selbstzerstörung zu durchbrechen und ihn für eine Lebens- und Gesellschaftsform zu gewinnen, die Jesus zuletzt „Reich Gottes“ genannt hat. Es ist eine Geschichte wiederholten Scheiterns und wiederholter Aufbrüche.

Außergewöhnliche Perspektiven und Interpretationen Nürnbergers
Nürnbergers mitreißende Schilderung dieser Glaubensgeschichte bietet einige Überraschungen. Zu nennen wäre z.B., dass er einen Zusammenhang herstellt zwischen Isaaks Beinahe-Opferung und der Bergpredigt, oder dass er den unschätzbaren Wert der jüdisch-christlichen Rede von der Sünde betont, weil der Mensch auf Dauer nur überleben wird, wenn er sich selbst klar sieht – und sich dabei nichts vormacht. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die Pointe des christlichen Glaubens gerade in dem steckt, was ihn von allen anderen Religionen unterscheidet. Nürnberger liefert dann keine Definitionen des unterscheidend Christlichen, sondern Geschichten. Zum Beispiel die von Pfarrer Holmer, der 1990 dem Ehepaar Honecker in seinem Pfarrhaus Asyl bot. Oder die von der Schriftstellerin Herta Müller, die sich weigerte, mit der Securitate zusammen­zuarbeiten. Oder die vom Barmherzigen Samariter.

Ein informatives Buch für Glaubenseinsteiger und praktizierende Gläubige
Nürnberger erzählt auf Augenhöhe mit den Zweiflern und religiös nicht mehr trittfesten Zeitgenossen. Geschickt greift er Einwände gegen die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens auf und schlägt Brücken von unserer in die fremde Welt der Bibel. Dabei kommt er ohne die gängigen theologischen Floskeln und Fremdwörter aus. Sein Buch bietet Jugendlichen (ab 14, 15 Jahren) und Erwachsenen jede Menge Stoff zum Nachdenken, Gedanken, an denen man sich reiben und seine eigenen Überzeugungen prüfen kann. Ein Buch, das nachhallt und hoffentlich viele Leser*innen findet!

 

 

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)